Der Cliffhanger muss noch aufgelöst werden: welche interessante Tiefe mag das wohl gewesen sein, von der da die Rede war? Gibt es noch mehr Abenteuer, die uns dem Tode ins Auge blicken ließen? All das, und noch viel mehr, werdet ihr, liebe Leser, nun erfahren!
Bei der großen Barriere und im tiefsten Urwald
Der Morgen bricht an in Cairns, der größten "Stadt" in Australiens Nordosten. Und wir brechen auf, um eines der bekanntesten Naturwunder dieser Erde aus nächster Nähe zu begutachten: das Great Barrier Reef.
Mit einem netten, modernen Boot geht es aufs offene Meer. Nachdem jeder einen Neoprenanzug, Flossen und eine Taucherbrille samt Schnorkel zugeteilt bekommt, genießen wir unser Frühstück an Bord, während eine attraktive junge Meeresbiologin erklärt, was wir in Kürze zu sehen bekommen werden. Nach einer Stunde erreichen wir unseren ersten Zwischenstop am äußeren Riff und machen uns auf ins angenehm temperierte Wasser.
Martins erste Schnorchelversuche
Diese interessanten Lebewesen bevölkern das Great Barrier Reef. SIe sind recht zutraulich und betteln bei den Touristen meist um Nahrung; vorzugsweise Fisch.
Fische in allen Farben und Formen tummeln sich um Berge von Korallen.
Nach einer kleinen Schnorcheltour geht es nun tiefer in die Unterwasserwelt des Riffs. Nach einem Crash-Kurs im Tauchen werden wir mit Sauerstofflaschen bestückt und in die Tiefen des Pazifik geworfen.
So weit, so gut.
Nachdem wir die Angst zu ertrinken überwunden haben, begeben wir uns auf den Grund des Ozeans, um die dortige Fauna zu erkunden.
Die Riesenmuschel hat sich wohl zu früh auf einen kleinen Happen gefreut - sie durfte nur kurz an der Faust kauen.
Weiter geht es durch Schluchten aus Korallen.
Blubb.
Michi, unser Tiefseegigolo, ist auf der Jagd nach feschen Schnecken.
Weiter geht es zu einer zweiten Stelle am Riff, und wir machen uns wieder bereit...
...zum Schnorcheln.
Eine kleine Ecke an der Ostküste haben wir noch nicht erkundet - den Urwald nördlich von Cairns. Wir fahren soweit es geht, doch der Dschungel wird immer dichter. Die enge Straße windet sich unter einem saftig grünen Blätterdach immer weiter nach Norden, und wir entdecken abgelegene Strände und großartige Aussichtsplätze.
Hier der Blick von einer Anhöhe etwas entfernt von der Küste. Tropischer Regenwald, tiefblaues Meer und himmelblauer Himmel.
Einsamer Strand in den Tropen.
The Red Centre
Wir schnappen einen kleinen Düsenjet der QuantasLink und bringen einiges an Strecke wie im Flug hinter uns. Es geht ins Zentrum Australiens, wo unter anderem der berühmteste Felsbrocken Australiens rumliegt: der Ayers Rock. Wir erwarten uns die sengende Hitze der subtropischen Wüste und sind auch dementsprechend gekleidet. Als wir aus dem klimatisierten Flugzeug aussteigen, werden wir jäh von (vergleichsweise) winterlicher Kälte überrascht: es hat knapp über 10°C.
Wir lassen uns aber nicht irritieren und besorgen uns dicke Pullis sowie ein Auto, um zu den Points of Interest zu gelangen. Wir besuchen als erstes Kata Tjuta, was in der Sprache der einheimischen Aborigines soviel wie "viele Köpfe" bedeutet. Die "Olgas", wie sie von den europäischen Siedlern getauft wurden, sind eine Sandsteinformation, die von den Aborigines seit jahrtausenden verehrt werden. Nur einige wenige Bereiche sind für Touristen zugänglich.
Wir machen uns auf den Weg zwischen die Hügel.
Dundee macht sich bereit, um seinen Gaul zu satteln und in den Sonnenuntergang zu reiten.
Tiefe Schluchten...
...und beeindruckende Farben.
Keine Angst, niemand hat den Ayers Rock zersägt - es ist Kata Tjuta im Sonnenuntergang.
Ein neuer Tag bricht an, und wir begeben uns noch in der Dunkelheit zum Uluru, auch bekannt unter dem Namen Ayers Rock, um dort den Sonnenaufgang zu genießen.
Frühstück am heiligen Berg
Postkarten-Motiv: Uluru im Sonnenaufgang
Nach einem Besuch im Cultural Center der Aborigines fahren wir weiter zum Kings Canyon.
Blick von Unten auf den Canyon - wer genau schaut, kann den aufgehenden Mond sehen.
Die Mütze ist übrigens aus der Sommerkollektion der Einheimischen.
Der King auf seinem Canyon
Und so begibt man sich wieder zurück ins Auto um nach Alice Springs, der nächsten Stadt zu fahren. Dort findet sich ein Saloon der ein 800g-Steak anbietet.
Was Michi zu freuen scheint.
Aber auch wir kommen auf unsere Kosten: Es gibt Grillplatte mit Emuwurst und Kamelspießen sowie dem unumgänglichen Kängurufleisch (wie langweilig, das kennt man ja schon) und einem lustig aussehenden und schmeckenden Krokodilfleischball. Um diese geschmacklichen Eindrücke bereichert tauschen wir das Auto gegen ein Flugzeug und finden uns in Darwin, Metropole im Norden des Northern Terrritory bei heißfeuchten 30 Grad wieder. Na gut, vielleicht eher Kleinstadt als Metropole aber hey, wir sind hier im Northern Territory.
Das Leben als Camper
Nach einer Nacht im Hostel holen wir uns den heißersehnten Camper ab. Und der überrascht positiv: Obwohl dank Faltdach äußerlich unscheinbar bietet der umgebaute VW Transporter viel Platz, einen geräumigen Kühlschrank, einen Gasherd und eine Außendusche (ganz zu schweigen von den gar mafiösen getönten Scheiben). So bestückt machen wir uns von Darwin auf die lange Reise die Nord- und Westküste entlang südwärts.
Unserer erster Point of Interest: Der Kakadu Nationalpark, wahrscheinlich der bekannteste Nationalpark Australiens.
Hier entdecken wir alte Felsmalereien der Aborigines...
...und ob der großen Hitze entdeckt auch Dundee eine neue Seite an sich.
Trotz seiner Berühmtheit ist der Kakadu Nationalpark eher enttäuschend.
In diesem Bild ist die Quintessenz des Parks zusammengefasst: Wir klettern bei großer Hitze über Felsen, im Hintergrund reicht die immer gleiche Vegetation bis an den Horizont, und am Objektiv sitzt eine Fliege.
Anleitung zum Selberbasteln eines 1:1-Modells des Kakadu Nationalpark: 1.) ein 8x6 Meter-Poster mit diesem Motiv bedrucken und in einem Areal von ca. 250x100 km freier Fläche aufstellen. 2.) Schritt 1 wiederholen bis besagtes Areal vollständig ausgefüllt ist.
Nach langem Suchen finden wir doch noch einen interessanteren Flecken im Kakadu:
Die weitläufigen "Yellow Water" Wetlands am "South Alligator River".
Nomen est omen.
Campen an einer Aussichtsstelle im National Park - was der Ranger nicht weiß macht ihn nicht heiß.
Nächstes Ziel ist der Litchfield National Park ein Stück weiter westlich. Dieser ist schon weit interessanter:
Es gibt gigantische Termitenhügel...
...und Wasserfälle, bei bei denen man ein erfrischendes Bad nehmen kann.
Bitte nicht vom Beckenrand springen...
...denn da geht es tief runter.
Auf einem hübsch gelegenem Aussichtspunkt über einem See (oder Fluß, eine Uneindeutigkeit die zu gewagten Spekulationen verführt) knotzen wir uns dann gegen Abend mit unserem Campervan hin.
Broombroom und Leute drumrum.
Bedingt durch die im Vergleich zu allem bisher Gewohnten riesigen Distanzen zwischen den einzelnen Points of Interest gewöhnen wir uns langsam an den Tagesablauf im Camper, der hauptsächlich aus Fahren besteht, wobei es gegen Abend wenn die Sonne untergeht immer spannend wird mit der Frage: wo ist der nächste Parkplatz? Was natürlich nicht heißt, dass man keine...
...hübschen Fotos machen kann.
Mond? Sonnenuntergang? Essen.
Gemütliches Campen am Lagerfeuer - trotz einem fehlenden Sessel und einem zusätzlichen Tisch.
Und mit Feuer kann man so schön spielen.
Hin und wieder gibt es am Weg nach Broome aber doch Stehenbleibenswürdiges, wie den
...Geikie Gorge, der zur Regenzeit übrigens unter Wasser steht (längere Strecken im Sand zu gehen ist übrigens tatsächlich mühsam, unter anderem weil die Schuhe immer schwerer werden).
Rechtzeitig vor Broome kommen wir drauf dass es da ja noch so ne Stadt im Norden gibt, namentlich das überaus küstengelegene Derby. Die eigentliche Besonderheit der Stadt ist ein Flaschenbaum oder "boab tree" gigantischen Ausmaßes, der historische Bedeutung hat.
Durch eine Öffnung gelangt man nämlich in das Innere des hohlen Stammes, wo in der Pionierzeit Gefangene gehalten wurden, was dem Baum den Namen "prison tree" einbrachte.
Eigentlich wollten wir in der verschlafenen Kleinstadt ja einem Crash Car Derby beiwohnen (woher hat die Stadt eigentlich ihren Namen?), aber letztlich fehlt irgendwie die Zeit oder die Information und so verlassen wir Derby nach einem malerischen...
Sonnenuntergang...
...und einem traurigen Blick zum Abschied Richtung Broome. Unterwegs halten wir noch an einer kleinen...
...Salzwüste.
Broome heißt uns am nächsten Morgen mit einem tropische-Touristenstadt-Feeling willkommen. Die Hitze und die mangelnde Hygiene treiben uns an den Strand, der nicht umsonst als einer der schönsten Strände der Welt gilt. Hinter dem klingenden Namen "Cable Beach" steht wie immer ein historisches Ereignis: hier wurde anno dazumal das erste Telegraphenkabel zwischen Australien und Java an Land gebracht, das Australien mit dem Rest der Welt verband. Ein halbherziger Gedenkstein erinnert an die geschichtliche Bedeutung. Wir schenken diesem nur wenig Beachtung und werfen uns in das türkisblaue Wasser, das wunderbar mit dem persilweißen Sandstrand harmoniert.
Sonnenuntergang am Cable Beach
Die typische CD-Cover-Aufstellung hat bereits Tradition
Die Sonne wirft unwirkliche Farben an den Horizont, bevor sie unweigerlich im indischen Ozean versinkt.
Bei Broome liegt auch diese nette Felskonstellation, deren prachtvollen Anblick wir genießen, bevor wir unseren Weg gen Süden fortsetzen.
Unterwegs kommen wir an einigen lodernden Buschfeuern vorbei. In Australien ist ja zur Zeit dry season.
Wir finden uns wieder bei einem Nationalpark ein, diesmal ist es der Karijini National Park, der uns von einigen unabhängigen Bekanntschaften empfohlen wurde.
Hier gibt es die Fortescue Falls, die sanft über stufenförmige Felswände fließen.
Die zugehörige Schlucht ist nicht von schlechten Eltern, und Martin, sonst ein recht stattlicher Mann, wirkt verschwindend klein angesichts des enormen Gorges. Wer ihn findet, kriegt ein Plus.
Wir schließen diesen endlos scheinenden Blogeintrag mit einem vertieft sinnlichen Blick in den Sternenhimmel, der uns auf unseren Reisen durch das Outback tagtäglicher - bzw. allnächtlicher - Begleiter ist. Gute Nacht, und bis zum nächsten Mal.
martin, jake